
Road to Kumasi
Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater stammt aus Ghana. Im Sommer 2014 besuchte ich das Heimatland meines Vaters.

Road to Kumasi
Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater stammt aus Ghana. Im Sommer 2014 besuchte ich das Heimatland meines Vaters.
Jo, letzten Mittwoch war ich ja bei Kölncampus im Radio zu Gast und es lief super. Habe über mein Buch „Bitches & Queens – Frauen im U.S. HipHop“ gequatscht und mich Backstage mit den Rapperinnen EsthaLoco, Tice und der WhatUp!-Redaktion amüsiert. Mucke der beiden Rapperinnen findet ihr in den Verlinkungen. Lohnt sich auf jeden Fall reinzuhören, um den eigenen Horizont wieder mal ein Stückchen zu erweitern. Und supporten dann nicht vergessen 😉
In meinen Interviewpart – und in unsere feuchtfröhliche Gruppendiskussion zum Thema „Frauen im HipHop“ am Ende der Sendung – könnt ihr hier reinhören:
Außerdem bin ich grad mächtig happy: Am 29. Januar 2015 werde ich an der Uni Mainz ne Lesung zu „Bitches&Queens“ abhalten. Cowabunga! 😀
Mehr Infos folgen!
Peace out! 😉
Lang, lang ist sie her, meine Zeit bei Kölncampus. Während meines Studiums durfte ich dort das Handwerk des Radio-Journalismus‘ lernen. Heraus kamen einige coole Radiobeiträge und das ein oder andere verkackte aber auch gelungene Kollegengespräch. 😉 Ich durfte sogar einmal eine Sendung „Whatup!?“ moderieren – zum Glück mit einer anderen Moderatorin, vor lauter Nervosität hätte ich das alleine nicht auf die Reihe gekriegt. Tja, aber mit den Jahren wächst bekanntlich auch das Selbstvertrauen.
Ne halbe Stunde am Tag soll man sich bewegen, am besten am Stück. Spazierengehen, zum Beispiel oder Joggen oder so. Das Schlimmste was du mit deinem Körper machen kannst, ist den ganzen Tag rumsitzen. Sechs Stunden täglich reichen und du verlierst sieben Jahre, hab ich gestern gelesen. Darum bin ich heute Rad gefahren. Von Ehrenfeld in die Südstadt, von der Südstadt am Rheinufer lang bis zum Ebertplatz und vom Ebertplatz wieder nach Ehrenfeld. Und das bei dem Wetter! N bisschen stolz bin ich schon auf mich. Der innere Schweinehund konnte trotzdem richtig zuschlagen. Es gab wieder Pfannkuchen zum Frühstück – die mit Weißmehl und Zucker im Teig. Und zu Mittag Käsespätzle, als Nachtisch Berliner.
Der Sonntagmorgen begann friedlich. So, wie ein Sonntagmorgen beginnen sollte. Mit Vollkornpfannkuchen zum Frühstück und dann noch Rumgammeln auf dem Sofa, bequem in den Herbsttag starten. Außerdem haben wir uns gefreut, als die im Radio sagten, dass ja die Zeit umgestellt wurde. Eine Stunde mehr, yeah. Das war ganz lustig, genauso wie dieses witzige Video, das einer bei Facebook gepostet hatte. Heute kein Sport, heute ein Gemütlicher.
Flashback in den Schmerz, jedes Mal, wenn ich durch meine alten Tagebücher aus Teeniezeiten blättere. Die Seiten sind voll von Selbstmitleid, Liebeskummer, Lästereien und Hassverkündungen. Wenig Liebe, kaum Erfolgserlebnisse, die (im Vergleich zum detaillierten Rest) in nur sehr kargen Sätzen beschrieben sind. Aber so sind wir Menschen hier. Jammern und meckern viel zu viel und ständig.
In Deutschland hat uns Opa beigebracht, vernünftig mit Messer und Gabel zu essen. Und nutzt man den Löffel zur Suppe, ruht die freie Hand sichtbar auf dem Tisch. In Ghana essen wir mit der rechten Hand, oft mit der bloßen. Die Linke liegt locker auf dem Oberschenkel. Sie ist für die unreinen Dinge des Lebens bestimmt.
Im Stadtgarten steht eine MiniBib. Da kann man sich ein Buch ausleihen, ohne Ausweis oder Angaben der persönlichen Daten. Gratis und anonym. Basiert alles auf Vertrauen.
Dass es so was überhaupt gibt?
Feierabend. Kühlschrank leer. Ab zu REWE. Kaufe mir Tiefkühlsushi und taue es in der Mikrowelle auf. Während ich auf mein Essen warte, läuft im Fernsehen ne Doku über früher im Krieg, als der Tod immer reichere Ernte erhielt, weil die Leute nix zu Essen hatten.
Ich sitze mit Maria am Trafalgar Square und mache Pause vom Sightseeing. Neben mir sitzt eine Frau auf den Stufen. An ihrem linken Handgelenk trägt sie eine pinkfarbene Plastikuhr. Vielleicht hat sie eine Nickelallergie. Meine Mutter hat auch eine Nickelallergie, aber sie trägt keine pinken Plastikuhren, sondern bepinselt sich die nickelhaltigen Stellen ihrer meistens in dezentem schwarz, blau oder dunkelbraun ausfallenden Armbanduhren mit Klarlack, um Ausschlag vorzubeugen.
Neben mir reden sie über Klausuren und Hausarbeiten und ich bin froh, dass wir das hinter uns haben. Jetzt liegen wir hier im Park, in Second Hand und skinny Jeans oder in Shirts mit Sprüchen drauf und machen irgendwas mit Medien oder im sozialen Bereich oder hängen noch den Master dran, um beruflich aufzusteigen. Einige kriegen so langsam Kinder. Andere glauben daran, dass der große Clou noch kommt.
Es läuft HipHop durch kratzige Boxen. Danach was mit Elektro. Shazam fragt: Who is manfred?
Drei trauen sich zu tanzen, wippen im Takt, quatschen laut dabei. Ne Vierte in Pumphosen und Kippe in der Hand springt dazu. Ein Hiphopper nennt sie Raverteenies.
Ein kleines Mädchen, sechs vielleicht, in fleckiger Jogginghose und fransigem Bauernzopf, bahnt sich ihren weg durch uns herumliegende Endzwanzigrdreissiger. Hat ne Edekatüte in der Hand, schielt auf unsre halbleeren Bierflaschen. Jemand, der grillt gibt ihr nen Pappteller mit nem Brötchen drauf. Ohne Wurst. Ohne Ketchup oder Knoblauchsoße.
Haben wir ne Sonne! Die dünne Frau mit blauem Sonnenhut, die neben mir sitzt, lobt das supergeile Wetter, zieht an einem Joint, bläst mir den Qualm ins Gesicht.
Ob ich mal ziehen kann, würde ich am liebsten fragen. Aber wir kenn’ uns ja nicht.
Ihr Handtuch hängt halb über meinen.
Jemand macht nen Handstand und die Raverteenies klatschen. Eine Wolke schiebt sich über die Sonne und meine Füße werden kalt. Zieh die Socken an und warte darauf, sie wieder ausziehen zu können und ärgere mich darüber, dass ich ne lange Hose trage und anfange zu schwitzen, als die Wolke sich verzieht. Dabei hab ich mir gestern aufm Nachtflohmarkt ein schönes Seidenkleid gekauft.
Mädchen lästern. Der Tobi zeigt seine Käsebrust. Mutige Jungs mit Vollbart und Seitenscheitel trinken ihr Bier oben ohne. Wir reden darüber, dass wir uns keine gecrackten Filme mehr im Internet angucken können und lieber bezahlen für gute Quali.
Wir reden bis die Blase drückt, aber die Stadt stellt hier keine Klos auf und hat die Büsche gerodet.
Ich mach ein Foto vom Fernsehturm bevor wir gehen und hab Musik auf den Ohren, die will, dass ich bleibe. First World Problems.
Ich war aufm King Krule Konzert in Köln (Gebäude 9) mit YOURZ, SPARKY BALBOA und seiner Freundin. Als wir ankamen, saß der King da einfach so draußen mit seiner Crew und hat geraucht und gechillt.