Mein Baby und die anderen

„Das geht alles viel zu langsam! Wann läuft er denn endlich?“
„Hast du Hunger, Kleiner? Bei Mama gibt’s ja nix Vernünftiges außer wässrige Milch! Gib ihm mal einen Kinderriegel!“
„Du willst einkaufen gehen? Lass das Baby doch einfach hier!“
„Bald bleibst du den ganzen Tag bei uns, Kleiner!“
„Bald übernachtest du hier!“
„Warum seid ihr zu spät? Das Baby hat zu lange geschlafen? Der muss sich doch mal an unsere Zeiten gewöhnen?“

Dass ich mit der Geburt meines Sohnes auch einen ganzen Haufen gut gemeinter, jedoch unerfragter Ratschläge in Sachen Kindererziehung erhalten würde, war mir von vorne herein klar.

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Baby schläft, Mama ist wach…

„Da schläft einer den Schlaf der Gerechten!“, sagt die Kassiererin im Drogeriemarkt zu der Frau vor mir in der Schlange. Sie hat ein schlafendes Baby in der Trage, ganz klein ist es noch und seine Mama sieht müde aus, das kann ich trotz Maske erkennen. Schatten unter den Augen und nicht viel übrig für den Spruch der Verkäuferin. Die Mama kauft drei Packungen Windeln, Größe 1. Wehmütig denke ich daran zurück, als mein Babymann diese kleinen Windelchen getragen hat und sie ihm trotzdem noch zu groß waren. Ewig würde es dauern bis er da raus wächst, dachte ich „damals“ ­– vor fünf Monaten. Mittlerweile trägt mein Sohn Windelgröße 3 und nach ersten Stillschwierigkeiten im Wochenbett fange ich mittlerweile an, ihm neben der Brust auch erste Lebensmittel zum Probieren anzubieten. Pürierte Avocado, Smoothie, Gurke, Banane, Apfel. Wir tasten und ganz langsam und chillig an die Beikost ran und bis jetzt scheint ihm auch alles zu schmecken, was er so mit seinem Mund erkundet. An die Brust will er danach aber trotzdem immer wieder und irgendwie macht mein Herz dann einen kleinen Freudenhüpfer, denn: sie werden ja so schnell groß. Erst jetzt als Mutter fühle ich diese Aussage so richtig.

Ich versuche meine Elternzeit also so gut es geht zu genießen, es läuft gut zwischen dem kleinen Mann und mir und seinem Papa, wir haben viel Freude. Nachts schläft er sogar recht gut. Zwar nicht in seinem eigenen Bett, sondern nach wie vor bei mir mit auf der Matratze, aber auch das ist okay für mich. Ich genieße es mit ihm zu kuscheln und auch die Kommentare der Verwandtschaft darüber, dass wir ihn nie mehr aus unserem Bett bekommen, prallen mittlerweile an mir ab.

Und trotzdem bin ich müde, liege nachts wach und kann nicht schlafen.

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