MEIN START IN DIE GANZHEITLICHE LEBENSBERATUNG

 

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Mache ich das jetzt wirklich, eine Ausbildung zur spirituellen Lebensberatung und Yogatherapeutin?

Vor ein paar Wochen konnte ich Realität und Wirklichkeit nicht mehr voneinander trennen, so k.o., angespannt, aber auch glückselig war ich. Wie lange hatte ich diesen Zeitpunkt herbeigesehnt? Mehr als zwei Wochen Festival-Arbeit lagen hinter mir. Eventmanagement, ein Job in den mich das Leben warf, für den ich mich entschieden hatte, obwohl er im Grunde nicht zu meiner hochsensiblen Veranlagung passt. Aber ich meisterte ihn. Nicht ohne Tiefschläge, aber ich gab nicht auf. Die Transformation war in Sicht…

Als der Trubel dann vorbei war kamen sie: die ersten Studienbriefe. Mache ich das jetzt wirklich, eine Ausbildung zur spirituellen Lebensberatung und Yogatherapeutin?

Jo, ich bin spirituell. Früher nannte ich es Gott, heute glaube ich an die Kraft des Universums, die in uns allen verborgen liegt. Im Sommer bestärkte mich das Unversum darin, meine Leidenschaft zu vertiefen und leitete mich zu der Ausbildung. Ich war Feuer und Flamme, meldete mich zum Studium an und sehnte mich nach der Jetztzeit, dem Studium.

Freude kam auf, als ich den Umschlag also endlich öffnete. Die blieb aber nur kurz, musste schnell Platz machen für Erschöpfung, Zweifel, Angst und Leistungsdruck auf den Schultern und im Kopf. Ist das wirklich der richtige Weg? Schaffe ich das? Ich bin doch selbst gar nicht im Reinen mit mir? Werde ich es jemals? Mein Schatten verfolgt mich! Ich muss mich anstrengen! Ich muss mein Bestes geben, am besten sofort. Jetzt sofort! Ich darf nicht versagen!

Volle Ladung negativer Glaubenssätze, die sich ein Stück mehr auflösen, während ich hier schreibe. Und trotzdem. Der September war hart. Während meiner Arbeit fürs Afrika Filmfestival Köln musste meine Komfortzone sowas von verlassen und traf auf Menschen und deren Welten, die mich bisweilen an der meinen zweifeln ließen. In unserem Festival-Organisations-Team gab es zum Beispiel mehrere ehrenamtliche Helfer. Einer von ihnen ist ein Geflüchteter aus Syrien, er ist 21 Jahre alt, wohnt seit April in Köln, alleine ohne Familie. Sein Bruder ist in Holland, ein anderer in der Türkei und sein Vater noch in Syrien. Was mit der Mutter ist, habe ich nicht gefragt. Musste und wollte ich auch nicht, da mich sein Schicksal ohnehin stark erschüttert. Da saßen wir nun nebeneinander vorm Museum Ludwig am Dom, konnten uns mit Worten kaum verständigen, aber auf Seelen-Ebene.

Er meinte er wolle mal Regisseur werden und ich fing direkt an mit euphorischer Ermutigung. „Das ist cool! Mach doch ein paar Filme, vielleicht für YouTube oder einfach so“. Und weil ich bei Facebook gesehen hatte, dass in ihm ein kleiner Poet steckt (denn er postet oft arabische Verse, Facebook-Übersetzer sei dank kann ich etwas davon verstehen), riet ich ihm, sich doch ein Notizbuch anzuschaffen und auch dort Texte zu schreiben oder zu bloggen.

Naja, irgendwann erfuhr ich, dass er erstmal nen Computer bräuchte und damit zufrieden sei, seine Texte bei Facebook über sein Handy zu teilen. So einen Computer muss man sich auch erstmal kaufen, aber so schnell geht das nicht, als frisch geflohener Mensch ohne Job, Geld, Familie…Und mit meiner folgenden Reaktion bin ich unzufrieden. Denn ich fokussierte meine Gedanken auf die Tatsache, dass er sich erstmal keinen Computer leisten kann und das tat mir Leid. Und dann fiel mir das Tablet ein, das ich noch zuhause rumliegen habe, aber kaum nutze und das wollte ich ihm schenken. Und eigentlich wollte ich ihm das Angebot in einem stillen Moment machen, doch dann platze es mir vor einer anderen Kollegin heraus, vor lauter Ungeduld und „falschem“ Stolz über meine gute Tat.

Natürlich lehnte er das Angebot ab und ich schämte mich dafür, es ihm gemacht zu haben. Vor allem so indiskret.

Er ist dankbar für sein Handy, Facebook und die Clash of Clans App. und ich biete ihm direkt mein Tablet an, material world styles. War ich da zu materialistisch eingestellt?

Eines Morgens kam er zu spät und entschuldigte sich. In der Nacht waren Bomben gefallen in seiner Heimatstadt und er hatte versucht seinen Vater zu erreichen. Außerdem lernte ich noch andere Menschen mit ähnlichem Schicksal kennen. Geflohene, die teilweise im Kindealter in Deutschland strandeten und nicht nur durch die Flucht sondern auch durch Rechtsradikale, auf die sie hier trafen, eine schwere Zeit hinter sich haben. Als Finale sah ich bei einem Termin dann Auszüge aus der Dokumentation: MyEscape und wähnte mich mit meiner Spiritualität am Ende. Die Realität der Welten prallte auf mich hernieder und ich konnte mich nicht vor ihr verkriechen…

Zweifel, Ängste, Ohnmacht, Erschöpfung und ein wahnsinniges schlechtes Gewissen. Ich empfand die Festivalarbeit so anstrengend – dabei gibt es Menschen, denen es viel „schlimmer“ ergeht.

Aber das Leben hörte nicht auf, mir immer wieder Synchronitäten aufzuzeigen, sodass ich nicht aufgab…

Und dann stieß ich auf folgende Zeilen:

Vor allem wenn man viel reist, dann weiß man, dass es einem Lottogewinn gleich kommt, in einem westiichen Industrieland geboren worden zu sein. Nicht, weil wir viel glücklicher, besser oder in irgendeiner Weise toller wären – überhaupt nicht! Sondern einzig und allein, weil es für uns viel leichter ist, unsere Träume zu verwirklichen.

Sei dankbar für diesen Vorteil und lege dich daher erst recht ins Zeug, etwas daraus zu machen. Wenn du dir bewusst bist, wie viele Menschen nicht oder nur sehr schwer in der Lage dazu sind, ihre Leidenschaft zu ergründen […], erscheint dir jede erforderliche Mühe vielleicht wesentlich erträglicher. […] Ich finde diesen Gedanken auch nicht egoistisch, denn wem es gut geht, der kann anderen Menschen besser helfen: Hilf dir selbst, dann hast du Energie übrig, andere zu unterstützen. Tim Chimoy: „Handbuch für ortsunabhängiges Arbeiten“, S.20

Und dieses Zeichen gab mir Kraft. Dankbarkeit darf nie vergessen werden. Und Durchhaltevermögen. Wo Schatten ist, ist immer auch Licht.

Namaste!

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