HIGH SEIN #1

Noch ein Zug, noch einmal das Fernsehprogramm wechseln. Du stehst auf und setzt dich wieder.

Du guckst aus dem Fenster. Im Haus gegenüber steht ein Paar in der Küche. Schwarz gekleidet. Die tragen immer schwarz. Sehen so intellektuell aus. Bereiten gemeinsam Essen zu in ihrer offenen Küche. Eine runde Lampe steht auf dem Tisch und erhellt den Raum, als würden Kerzen brennen. Keine Kacheln an der Wand, Backsteinmauer. Gedämmtes Licht und halbvolle, große Rotweingläser. Mindestens zwanzig Meter weit weg, aber du kannst sie lachen hören. Respektvoll miteinander flirten. Es riecht nach Oliven, Knoblauch und Prosciutto. Es riecht nach Weleda-Creme und Holzfußboden. Sie reden über Literatur und hören klassische Musik. Klischee. Klischee. Klischee.

Und du hockst hier. Gefangen im falschen Rausch.

Du hättest doch saufen sollen. Du hättest saufen sollen. Ein paar Bier oder vielleicht ne Flasche Wein, so wie die alten großen Meister es getan haben. Edgar Allan Poe und Beethoven sollen besoffen ihre größten Meisterwerke vollbracht haben. Und du vergeudest dein Potenzial an die falsche Droge. Du hättest saufen sollen. Wie die beiden in der offenen Küche.

 

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