Morgen muss ich arbeiten.

Musikerin müsste man sein. Die ganze Nacht kiffen und saufen und musizieren und Texte schreiben über das Leben und die Freiheit, die man nur hat, wenn man Musikerin ist und über die gesellschaftliche Gefangenschaft der Musikhörer.


Die von morgens bis abends ackern und Bewegung im Fitnessstudios nachholen, die sich danach auf die Couch legen und fernsehen. Mediale Berieselung jetzt auch im Second Screen auf Smartphone und Tablet. Und da schauen sie sich die Interviews und Auftritte und Videoclips der Musikerinnen und Musiker an, weil sie viel zu müde sind, nach Feierabend noch auf ein Konzert zu gehen. Das geht nur freitags oder samstags. Da kann man ausschlafen am nächsten Morgen.

Und sie nicken die Texte ab, fühlen sich angesprochen, sehnen sich nach Freiheit und gehen viel zu spät zu Bett.

Musikerin müsste ich sein. Die ganze Nacht wach bleiben und über die Leute schreiben und singen und Gitarre spielen. Oder Klavier. Oder mir Beats produzieren lassen, vielleicht ein bisschen rappen. Meine Message viral streuen und Geld verdienen mit iTunes und Auftritten in Internet- und Fernsehshows und mit Interviews und einer eigenen Klamotten-Linie. Mit Coolness. Mit Freiheit.

Aber bin ich halt nicht. Kann nicht mal dichten. Nur sehr subtil, nicht um die Ecke gedacht. Zu trivial. Chase your dreams and quit your job? Und dann…mir fällt kein Reim ein und nachts träume ich schon von morgen. Denn morgen muss ich arbeiten.“

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