ICH SOLLTE MICH IRREN

Am Aschermittwoch waren wir das letzte Mal im Kino mit meinem Schwiegervater, Jojo Rabbit gucken. Das ist ungefähr sieben Wochen her und ich erinnere mich noch daran wie ich mir eine viel zu große Portion Popcorn bestellte, einfach aus Prinzip, weil ich mich schon den ganzen Tag darauf gefreut hatte und Kino ohne Popcorn einfach nur halb so viel Spaß macht.

Mein Schwiegervater rümpfte die Nase und machte einen Kommentar à la: „So viel für dich alleine? Schaffst du das?“ Das befeuerte mich nur noch mehr, das Popcorn zu verputzen, schließlich habe ich solche Portionen früher auch locker alleine geschafft. Außerdem machen die in den Kinos die Portionen eh immer viel zu klein. Alles wird teurer, aber die Portionen schrumpfen! Himmel, Arsch und Zwirn! So sieht es doch aus!

Nun denn, ich sollte mich irren.

Das Cinenova hat mir für mein Geld dann doch so viel Popcorn geboten, dass wir alle drei hätten gut satt davon werden können. Aber es war halt meins, meins, meins.

Der Film war erstaunlich gut und am Ende und da musste ich heulen. So richtig klischeemäßig, heulen im Kino. Das hatte ich zuletzt bei Blakkklansman. Mit feuchten Augen saß ich nach der Vorstellung also da, mit meiner halbvollen Popcorntüte im Schoß.  Natürlich nicht geschafft. Mein Schwiegervater hatte Recht. Außerdem wollte er nach dem Film mit uns noch was trinken und den Film sacken lassen, darüber reden. Dabei war mir überhaupt nicht nach reden zumute. Aber klar, wir bestellten frischen Minztee und setzten uns ins Kinocafé und mein Ü70 Schwiegervater äußerte seine Bedenken darüber, dieses ganze Nazithema zu sehr durch den Kakao zu ziehen. Das liefe doch Gefahr, diese fürchterliche Zeit zu verharmlosen. Wir hingegen fanden gerade diesen Bruch zwischen Humor und brutaler Realität einprägsam, das Lachen blieb einem förmlich im Halse stecken.

Am Ende des Abends zog mein Schwiegervater eine Klarsichthülle aus seinem Rucksack. Darin befanden sich drei türkisfarbene Atemschutzmasken, die er uns schenkte. Vor ein paar Wochen schon hatte er sie sich bestellt, meinte er. Bevor die ausverkauft wären. Wir bedankten uns, aber auf dem Heimweg dachte ich, das ist doch schon ein bisschen übertrieben. Atemschutzmasken und so.

Aber ich sollte mich irren.

Ich sollte mich irren.

 

2 Gedanken zu “ICH SOLLTE MICH IRREN

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